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Schlussformel im Arbeitszeugnis — Bedeutung, BAG-Recht und Beispiele 2026

ZeugnisChecker Redaktion·15. März 2026·15 Min·Rechtsstand 2026·Aktualisiert 7. Juni
Schlussformel Arbeitszeugnis 2026 — Bedauern, Dank und Wünsche mit Vorlage und Mustertext

Schlussformel im Arbeitszeugnis — Bedeutung und Beispiele

Die meisten Arbeitnehmer lesen ihr Zeugnis von vorne nach hinten und achten dabei hauptsächlich auf den Mittelteil — die Leistungs- und Verhaltensbewertung. Dabei übersehen sie oft, dass die letzten Sätze eines Zeugnisses mindestens genauso viel verraten. Die Schlussformel ist für geübte Personalverantwortliche ein unmittelbares Signal: Hat der Arbeitgeber das Ausscheiden bedauert? Hat er sich bedankt? Wünscht er etwas für die Zukunft? Und wenn ja — wie?

In diesem Artikel dekodiere ich die Schlussformel vollständig: Was bedeuten die einzelnen Elemente? Was sagt eine fehlende oder schwache Schlussformel aus? Welche BAG-Urteile regeln deinen Anspruch? Und was tust du, wenn dein Zeugnis keine oder eine mangelhafte Schlussformel enthält?

Was ist die Schlussformel im Arbeitszeugnis?

Die Schlussformel ist der abschließende Paragraph eines qualifizierten Arbeitszeugnisses. Sie besteht üblicherweise aus drei Teilen:

  1. Bedauern: Der Arbeitgeber bedauert das Ausscheiden des Mitarbeiters.
  2. Dank: Der Arbeitgeber dankt für die geleistete Arbeit.
  3. Zukunftswünsche: Der Arbeitgeber wünscht dem Mitarbeiter für die Zukunft alles Gute.

Alle drei Elemente zusammen ergeben eine vollständige, wohlwollende Schlussformel. Fehlt eines, signalisiert das etwas — ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt.

Funktion der Schlussformel: Was jedes Element aussagt

1. Das Bedauern

Das Bedauern zeigt an, dass der Arbeitgeber den Mitarbeiter als Verlust wahrnimmt. Je stärker die Formulierung, desto höher die wahrgenommene Wertschätzung. Es handelt sich um eine formelle Aussage über den Wert des Mitarbeiters — nicht um eine emotionale Reaktion.

Formulierung Bewertung
„Wir bedauern das Ausscheiden von [Name] sehr" Sehr gut — echtes, starkes Bedauern
„Wir bedauern das Ausscheiden von [Name]" Gut — klares Bedauern ohne Verstärker
„Wir nehmen das Ausscheiden von [Name] zur Kenntnis" Negativ — sachlich-distanziert, kein echtes Bedauern
Kein Bedauern Negatives Signal — der Arbeitgeber ist froh, den Mitarbeiter los zu sein

2. Der Dank

Der Dank bezieht sich auf die geleistete Arbeit. Achte auf die Worte: „Zusammenarbeit" impliziert ein partnerschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe. „Mitarbeit" ist hierarchischer und distanzierter. Der Unterschied ist subtil, aber bei Personalverantwortlichen bekannt.

Formulierung Bewertung
„danken ihr herzlich für ihren stets hervorragenden Einsatz und die ausgezeichnete Zusammenarbeit" Sehr gut — intensiv und spezifisch
„danken ihm für die langjährige gute Zusammenarbeit" Gut — klar positiv
„danken für die geleistete Arbeit" Befriedigend — neutral, ohne emotionale Wärme
„danken für die Mitarbeit" Schwach — „Mitarbeit" statt „Zusammenarbeit" klingt kühler
Kein Dank Negatives Signal — problematisch

3. Die Zukunftswünsche

Der Zukunftswunsch signalisiert, ob dem Arbeitgeber das Wohlergehen des Mitarbeiters am Herzen liegt. Eine vollständige Formulierung umfasst sowohl den beruflichen als auch den persönlichen Bereich.

Formulierung Bewertung
„Für den weiteren beruflichen und persönlichen Weg wünschen wir alles erdenklich Gute und weiterhin viel Erfolg" Sehr gut — persönlich und beruflich, warm
„Für die Zukunft wünschen wir ihr alles Gute und beruflichen Erfolg" Gut — vollständig, klar positiv
„Für die Zukunft wünschen wir alles Gute" Befriedigend — kein beruflicher Bezug
„Für seinen weiteren Weg wünschen wir Erfolg" Schwach — knapp und kühl
Kein Zukunftswunsch Negatives Signal — Desinteresse am Wohlergehen

BAG-Rechtsprechung: Was dir das Bundesarbeitsgericht zugesteht

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in mehreren Leitentscheidungen die Rechtslage zur Schlussformel geregelt. Hier sind die drei wichtigsten Urteile, die du kennen solltest:

BAG, Urteil vom 20.02.2001 – 9 AZR 44/00 — Kein Anspruch auf Dank und gute Wünsche

In diesem Grundsatzurteil hat das BAG klargestellt: Arbeitnehmer haben keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Schlussformel. Dank- und Wunschformeln drücken persönliche Empfindungen des Arbeitgebers aus und gehören nicht zum gesetzlich geschuldeten Zeugnisinhalt. Das Gericht betonte zugleich: Das Fehlen einer Schlussformel ist rechtlich kein versteckter negativer Hinweis und entwertet das Zeugnis nicht.

BAG, Urteil vom 11.12.2012 – 9 AZR 227/11 — Bei Streit nur Zeugnis ohne Schlussformel

Die zentrale Entscheidung zur Schlussformel: Auch wer gute oder sehr gute Leistungen bescheinigt bekommt, kann Bedauern, Dank oder Zukunftswünsche nicht einklagen. Ist der Arbeitnehmer mit einer vom Arbeitgeber erteilten Schlussformel nicht einverstanden, hat er keinen Anspruch auf Ergänzung oder Umformulierung — sondern nur Anspruch auf ein Zeugnis ohne Schlussformel.

BAG, Urteil vom 25.01.2022 – 9 AZR 146/21 — Bestätigung der Linie

Das BAG hat seine Rechtsprechung 2022 ausdrücklich bestätigt und dabei sogar ein anderslautendes Urteil des LAG Düsseldorf aufgehoben: Auch bei überdurchschnittlicher Bewertung gibt es keinen Anspruch auf eine Schlussformel. Begründung: Eine erzwungene Schlussformel würde die negative Meinungsfreiheit des Arbeitgebers (Art. 5 GG) verletzen. Rechtlicher Anspruch und Personalpraxis fallen hier auseinander — viele Personalverantwortliche lesen eine fehlende Schlussformel trotzdem als Signal.

Was das in der Praxis bedeutet

Einen einklagbaren Anspruch auf eine Schlussformel gibt es nicht — auch nicht bei Note 1–2. Du kannst eine Schlussformel vorschlagen und verhandeln; viele Arbeitgeber ergänzen sie freiwillig. Erzwingen kannst du nur eines: dass eine erteilte Schlussformel, mit der du nicht einverstanden bist, ersatzlos gestrichen wird.

Vollständige Schlussformel-Bausteine nach Note

Note 1 — Sehr gut: Die vollständige Muster-Schlussformel

Wir bedauern das Ausscheiden von Frau [Name] sehr und danken ihr herzlich für ihren stets hervorragenden Einsatz, ihr außerordentliches Engagement und die ausgezeichnete Zusammenarbeit. Für ihren weiteren beruflichen und persönlichen Weg wünschen wir ihr alles erdenklich Gute und weiterhin viel Erfolg.

5 Varianten für Note 1:

  • „Wir bedauern es sehr, Herrn [Name] zu verlieren, und danken ihm herzlich für seinen herausragenden Beitrag und die stets ausgezeichnete Zusammenarbeit."
  • „Das Ausscheiden von Frau [Name] bedauern wir außerordentlich. Wir danken ihr herzlich für ihre vorbildliche Arbeit und die exzellente kollegiale Zusammenarbeit."
  • „Wir bedauern sehr, dass Herr [Name] unser Unternehmen verlässt, und danken ihm für sein stets überdurchschnittliches Engagement sowie die hervorragende Zusammenarbeit."
  • „Das Ausscheiden von Frau [Name] erfüllt uns mit großem Bedauern. Für ihre ausgezeichneten Leistungen und die bereichernde Zusammenarbeit danken wir ihr herzlich."
  • „Wir bedauern das Ausscheiden von Herrn [Name] sehr und sprechen ihm unseren herzlichen Dank für seine stets hervorragenden Leistungen und die überaus angenehme Zusammenarbeit aus."

Note 2 — Gut: Muster und Varianten

Wir bedauern das Ausscheiden von Herrn [Name] und danken ihm herzlich für seine engagierte Mitarbeit und die gute Zusammenarbeit. Für seine Zukunft — beruflich wie persönlich — wünschen wir ihm alles Gute und weiterhin Erfolg.

3 Varianten für Note 2:

  • „Wir bedauern, dass Frau [Name] unser Unternehmen verlässt, und danken ihr für ihre engagierte und zuverlässige Mitarbeit. Für den weiteren beruflichen Weg wünschen wir ihr alles Gute."
  • „Das Ausscheiden von Herrn [Name] bedauern wir und danken ihm für die langjährige gute Zusammenarbeit. Wir wünschen ihm für die Zukunft beruflich wie persönlich alles Beste."
  • „Wir bedauern das Ausscheiden von Frau [Name] und sprechen ihr unseren Dank für ihre solide und engagierte Arbeit aus. Für die Zukunft wünschen wir ihr viel Erfolg."

Note 3 — Befriedigend: Übergang zu schwächeren Bewertungen

Wir bedauern das Ausscheiden von Frau [Name] und danken für die geleistete Arbeit. Für die Zukunft wünschen wir ihr alles Gute.

Bei Note 3 fehlen die emotionalen Verstärker wie „herzlich", „sehr" oder „außerordentlich" vollständig. Die Schlussformel ist kürzer, nüchterner und enthält keine persönlichen Wünsche. Das ist bei dieser Note kein Fehler — es entspricht der Gesamtbewertung.

Was bei Note 1 FEHLEN darf — und was nicht

Bei einem Sehr-gut-Zeugnis gelten bestimmte Formulierungen als Warnsignal, auch wenn sie positiv klingen. Diese Ausdrücke wirken auf Personalverantwortliche wie ein verklausuliertes „aber":

  • „im Großen und Ganzen" — Deutet auf Einschränkungen hin, die nicht ausgesprochen werden. Bei Note 1 absolut unpassend.
  • „stets pflichtbewusst" — Klingt positiv, aber „pflichtbewusst" ist Minimalstandard. Note 1 erfordert Formulierungen wie „überdurchschnittlich" oder „vorbildlich".
  • „nach Kräften" — Impliziert, dass die Kräfte begrenzt waren. Kein echtes Lob.
  • „Wir wünschen Erfolg" ohne „weiterhin" — Fehlendes „weiterhin" deutet an, dass bisher kein Erfolg vorhanden war.
  • Nur ein Satz als Schlussformel — Drei Sätze sind der Standard bei Note 1. Ein einzelner knapper Satz gilt in der Personalpraxis als Negativindiz.

30 versteckte Negativ-Formulierungen in der Schlussformel

Die Schlussformel kann wie der Rest des Zeugnisses Geheimcodes enthalten. Diese 30 Formulierungen klingen harmlos — transportieren aber eine negative Botschaft:

Formulierung Versteckte Bedeutung
„Wir nehmen das Ausscheiden zur Kenntnis"Kein Bedauern — froh, ihn loszusein
„Wir danken für die Mitarbeit" (ohne „herzlich")Rein formell, keine echte Wertschätzung
„Wir wünschen für die Zukunft Erfolg" (ohne „weiterhin")Impliziert: bisher keinen Erfolg gehabt
„im Großen und Ganzen gute Zusammenarbeit"Es gab Probleme, die nicht genannt werden
„stets bemüht"Hat es versucht, aber nicht erreicht
„nach bestem Wissen und Können"Das Können war begrenzt
„nach Kräften eingesetzt"Die Kräfte reichten nicht aus
„Für die Zusammenarbeit bedanken wir uns" (ohne persönliche Anrede)Distanziert, unpersönlich
„Wir wünschen ihm auf seinem weiteren Weg alles Gute"Kein beruflicher Bezug — schlechtes Zeichen
„für die geleistete Arbeit" (ohne Qualifizierung)Keine positive Qualifizierung der Arbeit
„pflichtgemäß erfüllt"Nur das Minimum getan
„den gestellten Anforderungen entsprochen"Gerade mal ausgereicht
„in seiner Art verständlich"Der Charakter war problematisch
„die ihm übertragenen Aufgaben erledigt"Hat nur ausgeführt, keine Eigeninitiative
„mit den Kollegen ausgekommen"Keine echte kollegiale Qualität
„Wir wünschen Frau [Name] für die Zukunft das Beste"Kein beruflicher Wunsch — verdächtig kurz
„nicht immer leicht, aber letztlich erfolgreich"Es gab erhebliche Reibungen
„mit wechselndem Erfolg"Unbeständige Leistung, unzuverlässig
„soweit uns bekannt"Arbeitgeber distanziert sich von Aussagen
„in der Regel"Ausnahmen gab es — keine Verlässlichkeit
„teilweise zu unserer Zufriedenheit"Mehr schlecht als recht
„hat die ihr gestellten Aufgaben erfüllt"Unterdurchschnittlich — nur Pflichterfüllung
„wir bedauern das Ausscheiden" (ohne Namen)Unpersönlich — kein echtes Bedauern
„hat versucht, den Anforderungen gerecht zu werden"War überfordert
„war stets freundlich zu Kunden"Sonst gibt es nichts Positives zu sagen
„Wir danken und wünschen alles Gute" (ein Satz)Minimale Schlussformel = negatives Signal
„hat sich eingesetzt" (ohne Verstärker)Gerade mal engagiert
„bisweilen erfolgreich"Meist nicht erfolgreich
„wir wünschen ihr viel Erfolg bei ihren weiteren Aufgaben"Kein persönlicher Wunsch — kalt und distanziert
„im Rahmen seiner Möglichkeiten"Die Möglichkeiten waren beschränkt

Mehr versteckte Formulierungen findest du in unserem ausführlichen Artikel zu Arbeitszeugnis-Geheimcodes.

Was tun, wenn die Schlussformel fehlt oder mangelhaft ist?

Eine vollständig fehlende Schlussformel ist das schlimmste Signal, das ein Zeugnis senden kann. Personalverantwortliche, die Zeugnissprache kennen, lesen daraus: Das Arbeitsverhältnis endete nicht im Guten.

Schritt 1: Schriftlich zur Ergänzung auffordern

Fordere deinen ehemaligen Arbeitgeber schriftlich auf, die Schlussformel zu ergänzen. Das Schreiben sollte folgendes enthalten:

  • Konkrete Benennung was fehlt (Bedauern, Dank, Zukunftswünsche)
  • Verweis auf die Gesamtbewertung des Zeugnisses (Note X)
  • Hinweis, dass eine Schlussformel bei dieser Bewertung branchenüblich ist und ihr Fehlen auffällt
  • Frist für die Antwort (üblicherweise 14 Tage)

Musterschreiben: Aufforderung zur Schlussformel-Ergänzung

Betreff: Ergänzung des Arbeitszeugnisses vom [Datum] — fehlende Schlussformel

Sehr geehrte/r [Ansprechpartner],

ich habe das mir am [Datum] ausgestellte Arbeitszeugnis geprüft und festgestellt,
dass eine vollständige Schlussformel fehlt / die Schlussformel unvollständig ist.

Das Zeugnis enthält keine [Bedauerns-/Dank-/Zukunftswunsch-Formel], obwohl meine
Leistungsbewertung im Mittelteil eine Note von [X] ergibt.

Bei dieser Gesamtbewertung ist eine vollständige Schlussformel (Bedauern, Dank,
Zukunftswünsche) branchenüblich. Ein Zeugnis ohne Schlussformel fällt im Vergleich
auf und kann mein berufliches Fortkommen unnötig erschweren.

Ich bitte Sie daher, das Zeugnis bis zum [Datum + 14 Tage] entsprechend zu ergänzen.

Mit freundlichen Grüßen
[Name]

Schritt 2: Klage vor dem Arbeitsgericht

Reagiert der Arbeitgeber nicht oder weigert sich, ist Ehrlichkeit wichtig: Eine fehlende Schlussformel lässt sich nach der BAG-Rechtsprechung (9 AZR 227/11, bestätigt durch 9 AZR 146/21) nicht einklagen. Einklagbar sind dagegen Berichtigungen der Leistungs- und Verhaltensbewertung im Mittelteil. In der Praxis ist das oft der Hebel: Viele Arbeitgeber ergänzen die Schlussformel freiwillig, um einen Rechtsstreit über andere Zeugnisteile zu vermeiden — eine Klage allein wegen der Schlussformel hat dagegen kaum Aussicht auf Erfolg.

Mehr dazu in unserem Artikel zu schlechten Arbeitszeugnissen.

Schlussformel selbst formulieren und dem Chef vorlegen

Viele Arbeitgeber sind dankbar, wenn der Arbeitnehmer einen Vorschlag für die Schlussformel einreicht — sie wissen oft selbst nicht, was bei welcher Note üblich ist. Du kannst aktiv werden und deinen Vorschlag einreichen.

Tipps für das Einreichen eines Vorschlags:

  • Formuliere in der Ich-Perspektive, damit der Arbeitgeber nur noch umschreiben muss
  • Wähle eine Formulierung, die zu deiner tatsächlichen Leistungsbewertung passt — übertreiben wirkt unglaubwürdig
  • Begründe deinen Vorschlag kurz: „Entspricht meiner Gesamtbewertung von Note X"

Mehr zum Thema Zeugnis selbst formulieren findest du in unserem Artikel Arbeitszeugnis selbst schreiben.

3 vollständige Beispiel-Schlussformeln nach Note

NOTE 1 — SEHR GUT

Wir bedauern das Ausscheiden von Frau Müller sehr und danken ihr herzlich für ihren
stets hervorragenden Einsatz, ihr außerordentliches Engagement sowie die ausgezeichnete
und bereichernde Zusammenarbeit. Für ihren weiteren beruflichen und persönlichen Weg
wünschen wir ihr alles erdenklich Gute und weiterhin viel Erfolg.
NOTE 2 — GUT

Wir bedauern das Ausscheiden von Herrn Schmidt und danken ihm herzlich für seine
engagierte Mitarbeit und die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren.
Für seine Zukunft — beruflich wie persönlich — wünschen wir ihm alles Gute
und weiterhin Erfolg.
NOTE 3 — BEFRIEDIGEND

Wir bedauern das Ausscheiden von Frau Weber und danken für die geleistete Arbeit.
Für die Zukunft wünschen wir ihr alles Gute.

Was es bedeutet, wenn die Schlussformel fehlt

Eine vollständig fehlende Schlussformel ist das schlimmste Signal, das ein Zeugnis senden kann. Personalverantwortliche, die Zeugnissprache kennen, lesen daraus: Das Arbeitsverhältnis endete nicht im Guten. Der Arbeitgeber wollte dem Mitarbeiter bewusst keinen guten Ausgang wünschen.

Das mag manchmal unbeabsichtigt sein — der Arbeitgeber wusste einfach nicht, dass eine Schlussformel erwartet wird. Aber die Wirkung ist dieselbe.

Woran erkennst du eine fehlende Schlussformel?

Das Zeugnis endet nach der Beendigungsformel ohne weiteren Absatz. Oder es gibt einen kurzen, minimalen Satz, der nur eines der drei Elemente enthält.

Anspruch auf eine vollständige Schlussformel? — die BAG-Rechtsprechung

Das BAG hat entschieden (9 AZR 227/11, bestätigt durch 9 AZR 146/21), dass es keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Schlussformel gibt — weder auf eine spezifische Formulierung noch auf die drei Elemente Bedauern, Dank und Zukunftswünsche als solche.

Was du tun kannst: die Ergänzung vorschlagen und verhandeln — viele Arbeitgeber nehmen eine übliche Schlussformel freiwillig auf, weil sie Konflikte um das Zeugnis vermeiden wollen. Und: Eine erteilte Schlussformel, die dich schlechter stellt, muss auf dein Verlangen ersatzlos gestrichen werden.

Konkret bedeutet das:

  • Du kannst eine Schlussformel vorschlagen und verhandeln — einklagen kannst du sie nicht.
  • Du kannst verlangen, dass eine erteilte, abwertende Schlussformel ersatzlos entfernt wird (Zeugnis ohne Schlussformel).
  • Du kannst nicht verlangen, dass eine „sehr gut"-Schlussformel verwendet wird, wenn deine Leistungsbewertung nur „gut" war.

Konsistenz zwischen Zeugnisnote und Schlussformel

Ein häufiges Problem: Das Zeugnis beschreibt gute bis sehr gute Leistungen im Mittelteil, die Schlussformel klingt aber reserviert und kühl. Das ist eine innere Inkonsistenz, die Personalverantwortliche sofort bemerken. Die Schlussformel muss zur Gesamtnote des Zeugnisses passen.

Ein Zeugnis mit „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" braucht auch eine sehr gute Schlussformel. Passt das nicht zusammen, besteht Berichtigungsbedarf.

Besonderheiten: Wenn du selbst gekündigt hast

Bei einer Eigenkündigung fragen viele Arbeitnehmer, ob das Bedauern des Arbeitgebers überhaupt authentisch ist — schließlich haben sie selbst entschieden zu gehen. Das spielt keine Rolle. Das Bedauern im Zeugnis ist eine formelle Aussage über den Wert des Mitarbeiters für das Unternehmen — nicht über die emotionale Reaktion. Auch wenn dein Arbeitgeber insgeheim froh war, dich gehen zu lassen, muss das Zeugnis professionell und wohlwollend formuliert sein.

Häufige Fehler in der Schlussformel

Fehler 1: Passive Formulierungen statt echten Ausdrucks

„Das Ausscheiden wird zur Kenntnis genommen" — klingt amtsdeutsch und distanziert. Eine gute Schlussformel klingt menschlich und direkt.

Fehler 2: Nur berufliche Wünsche ohne persönlichen Bezug

„Wir wünschen beruflichen Erfolg" lässt den persönlichen Teil weg. Eine vollständige Note 1 wünscht beides: beruflich und persönlich.

Fehler 3: Das Wort „weiterhin" als verstecktes Signal

„Wir wünschen weiterhin viel Erfolg" klingt positiv — und ist es auch. Fehlt „weiterhin", klingt es so, als wäre bisher kein Erfolg vorhanden gewesen.

Fehler 4: Schlussformel in falscher Reihenfolge

Die Reihenfolge ist immer: Bedauern → Dank → Zukunftswünsche. Eine vertauschte Reihenfolge fällt auf und kann als Fahrlässigkeit gewertet werden.

Checkliste: Ist deine Schlussformel in Ordnung?

  • Enthält sie ein klares Bedauern über das Ausscheiden?
  • Enthält sie einen Dank — und ist dieser spezifisch oder allgemein?
  • Enthält sie Zukunftswünsche — sowohl beruflich als auch persönlich?
  • Ist die Intensität der Schlussformel konsistent mit der Leistungsbewertung?
  • Ist die Reihenfolge korrekt (Bedauern → Dank → Wünsche)?
  • Fehlt kein Element?

Schlussformel und Zeugnissprache — ein Gesamtbild

Die Schlussformel sollte nie isoliert betrachtet werden. Sie ist der letzte Baustein in einem Gesamtdokument, das eine kohärente Botschaft senden muss. Ein Zeugnis, das im Mittelteil ein „sehr gut" beschreibt, aber mit einer flachen Schlussformel endet, ist wie eine Empfehlung, die auf den letzten Metern einknickt.

Umgekehrt kann eine starke Schlussformel nicht über einen schwachen Mittelteil hinwegtäuschen. Personalverantwortliche lesen das gesamte Dokument. Mehr zu den Zeugnis-Formulierungen im Mittelteil findest du in unserem ausführlichen Ratgeber.

Häufig gestellte Fragen zur Schlussformel

Hat ein einfaches Zeugnis auch eine Schlussformel?

Nicht zwingend. Ein einfaches Zeugnis enthält nur Tätigkeitsdaten ohne Bewertung — Schlussformeln sind hier unüblich. Aber es schadet nicht, eine zu verlangen, wenn das Verhältnis gut war.

Kann ich eine bestimmte Formulierung erzwingen?

Nein. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Schlussformel oder eine bestimmte Formulierung (BAG 9 AZR 227/11). Du kannst eine vollständige Schlussformel aber vorschlagen — und bei einer abwertenden Formel verlangen, dass das Zeugnis ohne Schlussformel ausgestellt wird.

Was tun, wenn die Schlussformel fehlt?

Fordere schriftlich die Ergänzung. Nenne konkret: „Das Zeugnis enthält keine Schlussformel. Ich bitte um Ergänzung der üblichen Elemente (Bedauern, Dank, Zukunftswünsche) entsprechend der Gesamtbewertung." Besteht der Arbeitgeber auf Ablehnung, ist der Weg zum Arbeitsgericht möglich.

Ist eine sehr gute Schlussformel bei einem durchschnittlichen Zeugnis ein gutes Zeichen?

Nein — es erzeugt Misstrauen. Eine sehr gute Schlussformel in einem Zeugnis mit befriedigenden Leistungen ist inkonsistent. Personalverantwortliche bemerken das sofort. Konsistenz ist wichtiger als einzelne sehr gute Elemente.

Woran erkenne ich, ob ein Arbeitgeber die Schlussformel absichtlich schwach formuliert hat?

Wenn die Schlussformel deutlich kürzer ist als der Rest des Zeugnisses, wenn Verstärker wie „herzlich" oder „sehr" fehlen, oder wenn nur eines der drei Elemente vorhanden ist — das sind typische Merkmale einer bewusst schwachen Schlussformel.

Muss die Schlussformel eine bestimmte Mindestlänge haben?

Keine gesetzliche Mindestlänge — und auch keine gerichtliche Vorgabe dazu. In der Personalpraxis gilt aber: Eine ungewöhnlich kurze Schlussformel wird oft als Negativindiz gelesen. Für Note 1 und 2 sind zwei bis drei Sätze üblich.

Gilt die Schlussformel auch für Zeugnisse nach Kündigung durch den Arbeitgeber?

Ja. Auch wenn der Arbeitgeber gekündigt hat, ist er zur wohlwollenden Formulierung verpflichtet. Fehlt die Schlussformel nach einer arbeitgeberseitigen Kündigung, ist das besonders auffällig — und besonders leicht zu beanstanden.

Kann ich den ZeugnisChecker für die Prüfung der Schlussformel nutzen?

Ja. Der ZeugnisChecker analysiert die Schlussformel automatisch: Er prüft, ob alle drei Elemente vorhanden sind, welche Signalwirkung jedes Element hat und ob die Schlussformel zur Gesamtbewertung passt.

Fazit: Die Schlussformel ernst nehmen

Die letzten drei Sätze deines Arbeitszeugnisses sind keine Formalität. Sie sind ein Bewertungssignal, das von Personalverantwortlichen gelesen und interpretiert wird. Eine fehlende oder schwache Schlussformel kann dein sonst gutes Zeugnis entwerten — und das, obwohl der eigentliche Inhalt passt.

Prüfe deine Schlussformel mit dem gleichen Blick wie den Rest deines Zeugnisses. Nutze den ZeugnisChecker, um sicherzustellen, dass dein Zeugnis von Anfang bis Ende ein stimmiges, positives Bild zeichnet.

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